Züchter - Gedanken zum Züchten

Züchter, die Mitglieder im TRV sind:

Bernhardiner vom Fugerhof

Züchterin Brigitte Linser, Ellbögen, Tel. 0512 377 301 (s. Links, Bernhardiner)

Collies vom Sillufer

Züchter Helene Schäffer, Patsch, Bahnhof (s. Links)

Hovawarte aus Alt-Noricus

Züchter Günter + Margarethe Westland, westland@tyrol.at

Collies v. Archenweg

Züchter Familie Luis und Lydia Schneeberger, Innsbruck

 

Was bedeutet eigentlich: züchten?

Meinem Verständnis nach bedeutet züchten vor allem, Verantwortung für seine Rasse zu übernehmen. Als verantwortungsbewußter Züchter ist man bestrebt, Verbesserungen zu erreichen und das Gute zu erhalten. Eine solche Aufgabenstellung unterscheidet züchten von vermehren.

Unter den Hovawartleuten heißt es, daß die besten Zuchthunde diejenigen sind, welche auf Schauen mit 'sehr gut' beurteilt werden. Denn - Gott sei Dank - legt man immer noch das Hauptaugenmerk auf das gute Wesen. Eine Unabdingbarkeit speziell in der heutigen Zeit bei mittelgroßen und großen Hunderassen. Die meisten Hovawartzüchter sind Hobbyzüchter wie mein Mann und ich, die vom Verein (Zuchtwart, Zuchtleiter) beraten und betreut werden. Das wiederum garantiert eine liebevolle Aufzucht innerhalb der Familie.

Allerdings sollte eines die beste Betreuung nicht ersetzen: Die sorgfältigste Auswahl des Deckrüden. Hier sollte man sich auf keinen Fall nur auf 'Papier' verlassen (ist ja bekanntermaßen sehr geduldig). Durch seine Verantwortlichkeit der Rasse gegenüber sollte man sich auch die Mühe machen, rechtzeitig persönlich auf 'Partnersuche' zu gehen und viele Schauen und Zuchtveranstaltungen zu besuchen. Und wie sich der ins Auge gefaßte Rüde außerhalb des Ringes benimmt ist noch viel wichtiger, als sein - oft erlerntes oder durch ausgezeichnete Hundeführung kaschiertes - Gehabe im Ring oder am Platz.

Viele Gedanken sollte man sich auch bei der Aufzucht machen, denn hier legt der Züchter die Basis für das künftige Leben vor allem in punkto Gesundheit und Wesen. Ein ausgezeichneter Ratgeber ist hier z.B. das 'Brevier neuzeitlicher Hundezucht' von Hans Räber. Herr Räber ist selbst sehr erfahrener Züchter und Richter verschiedener Rassen, zuletzt waren es m.W. Riesenschnauzer. Dadurch hat er die praktische züchterische Erfahrung, die auch dem bestens ausgebildeten Tierarzt völlig fehlt. Es sei denn, er hat selbst schon mehrere Generationen gesunder Hunde gezüchtet. Daher bin ich überzeugt, daß erfahrene Züchter in verzwickten Situationen meist die besseren Hilfestellungen geben können als die Tierärzte.

Das Züchten endet auch nicht damit, daß die Welpen abgegeben werden. Nun wird es erst noch einmal interessant. Wie kommen die neuen Besitzer mit den Welpen zurecht, hören sie auf die Ratschläge des Züchters oder haben sie mit allen Versprechungen geschwindelt?

Als guter Züchter sollte man seine Welpen auch per Distanz und über das HD-Röntgen hinaus betreuen, selbst wenn man den neuen Besitzern ein wenig auf den Wecker fällt. Aber meist entsteht bei jedem neuen Wurf zumindest eine neue Freundschaft, die für die Enttäuschungen, die nun mal auch dazu gehören, reichlich entschädigt.

Einen Trick, den ich anwende, will ich gerne verraten: Ich versuche, alle Welpen im Alter zwischen vier und sechs Monaten zu besuchen. Fast alle diese Hunde vergessen mich dann für ihr Leben lang nicht und begrüßen mich wie ein Familienmitglied. Das finde ich toll.

Die Zuchtziele bei den Noricus-Hunden sind: gutes Wesen bei guter Leistungsveranlagung, Gesundheit, Robustheit, Langlebigkeit, großer, derber Typ.

Margarethe Westland, Mit-Züchterin 'v. Noricus' bzw. 'aus Alt-Noricus'.

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Und noch etwas.

Leider schleicht sich in letzter Zeit immer mehr die sog. 'Zuchtwertschätzung' (ZWS) von Dr. Beuing /TG-Verlag und - soweit mir bekannt - an der Uni Giessen aktiv, ein. Uns Hovawart-Züchtern der LG Bayern sagte er, ich glaube im Herbst 1990, in einem Vortrag, daß seine Zahlen nur fiktiv seien und lediglich dazu dienten, dem Züchter die Entscheidung zwischen zwei gleichwertigen Rüden zu erleichtern. Das klang ja nicht schlecht.

Tatsache ist aber, daß nun nur mehr nach den Zuchtwertzahlen geschaut wird. Ich hörte sogar u.a. von den Sloughis, daß es Krach gab, da die Züchter sich diesen Zahlen nicht unterordnen wollten.

Eine weitere unangenehme Seite der ZWS ist die 'Sippenhaftung', die letztendlich dazu führt, daß Züchter unehrlich werden. Tritt nämlich in einem Wurf ein Fehler auf, so werden nicht nur alle Welpen des Wurfes, sondern alle Geschwister der Elterntiere und deren Nachkommen, auch die Nachkommen aus früheren Würfen der Elterntiere damit belastet und diese 'fiktiven Zahlen' verschlechtern sich. Es leuchtet daher ein, daß auch bei weniger ehrgeizigen Züchtern alle Welpen genau kontrolliert werden, bevor sich die Tiere an Veranstaltungen beteiligen und dann bei evtl. Fehlern (Zahnfehler, Knickrute, Fehlfarbe, evtl. negative HD-Befund) einfach nicht gezeigt werden. Das ist ein großer Nachteil.

Nicht den Tatsachen entspricht die Veröffentlichung von Dr. Beuing im UR Herbst 1991 über die HD-Befunde von Hovawarten des RZV, daß die Hovawarte aufgrund seiner ZWS so hervorragende HD-Ergebnisse hätten. Zu dem Zeitpunkt war die ZWS gerade ein gutes Jahr im Gebrauch. (Anläßlich der Delegiertentagung des RZV im Mai 1990 wurde die Anwendung der ZWS beschlossen). Dann braucht es einige Zeit, bis Hündinnen läufig werden, dann sind sie neun Wochen lang trächtig. Und frühestens ein Jahr darauf werden die Tiere geröntgt. Dazu kommen noch 4 Wochen Zeit für die Auswertung. Wie kann man also veröffentlichen, daß das die Erfolge des Systems der ZWS seien, wenn zu diesem Zeitpunkt aus technischen Gründen noch kaum Ergebnisse vorliegen können. Ich nehme an, hier wurden einfach unsere bisherigen sehr guten Ergebnisse kopiert, die allein den disziplinierten Züchtern des RZV zu verdanken sind.

Im RZV wurde seit Anfang der 80er Jahre nur noch mit HD-freien Tieren gezüchtet, und so etwa 10 Jahre lang zuvor durfte lediglich 1 Partner HD-V haben. Das brachte unsere guten HD-Ergebnisse.

Aber bei vielen anderen Rassen mit HD-Problemen machte diese Veröffentlichung des Dr. Beuing im offiziellen Organ des VDH so großen Eindruck, daß auch sie sich für die ZWS entschieden.

Laut einer Veröffentlichung in der TU (Tierärztliche Umschau) vom 20.3.2000 soll 'die computergestützte Zuchtwertschätzung des Dr. Beuing am Institut für Tierzucht und Haustiergenetik der Universität Giessen als profitable Scharlatanerie Gegenstand staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen sein'.

Diese Seite wurde am 29.02.04 aktualisiert.

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