Alte Geschichten

Die Geschichten, die ich hier erzähle, haben vor allen Dingen mit meinem 'Hovawart-Geburtsort' Nürnberg und der Landesgruppe Bayern zu tun.

Es sind kleine Geschichten um den Hovawart und die Menschen, die ich auf meinem Weg durch die Zeit kennenlernte.

Als Hovawart-Fan wurde ich sozusagen am 4. März 1978 geboren. Da sah ich das erste Mal Hovawarte 'life' - und es ging mir so wie der bekannten alten Dame in Schottland Min Inches - es war Liebe auf den ersten Blick.


Der 4. März 1978

müßte ein Samstag gewesen sein. An diesem Tag wurden wir vom Hovawart-Züchter 'von der Teufelshöhle', Herrn Walter Fretschner, zu einer Körung nach Buchenbühl bestellt. Buchenbühl ist ein Teil von Nürnberg und gehört zum sog. Knoblauchsland, das im Norden von Nürnberg liegt.

Dort, so sagte er uns, könnten wir die 4 Monate alte Hovawart-Hündin Bona kennen lernen. Bona war schon bei einer Familie in Regensburg gewesen und hatte dort wohl nur Unfug angerichtet, so kam sie zum Züchter zurück.

Und wir wollten einen etwas älteren Welpen haben, da wir schon eine Ferienreise im Sommer gebucht hatten, und der Hund sollte auf jeden Fall mit, aber nicht mehr so klein sein.

Nach einigem Suchen kamen wir auch zum Ort des Geschehens und sahen das erste Mal Hovawarte. Es war schlicht und einfach gesagt: beeindruckend. Oder, auf neu-deutsch: supercool. Diese großen Hunde mit dem wunderschönen Haarkleid. Ruhig, souverän und ja, einfach edel. Lauter Persönlichkeiten. Und auch die Menschen dazu. Irgendwie angenehm und nobel wirkend. Ansprechend. Wir 5 Westlands wanderten zwischen den Gruppen umher auf der Suche nach Herrn Fretschner. Und dann sahen wir sie. Bona. Ein schwarzmarkener Plüschhovawart von 4 Monaten. Und 2 Kinder dabei, die mit ihr, die an einer Kiefer festgebunden war, spielten.

Auf unsere bange Frage, ob dieser Hund ihnen gehörte, antworteten die beiden: Nein, der gehört dem Züchter. So machten wir uns erleichtert auf die Suche nach herrn Fretschner und bekamen auch nach großen Überredungskünsten seine Zusage, daß Bona zu uns kommen konnte.

Das liegt nun 25 Jahre zurück, aber ich erinnere mich heute noch genau an die unvergessene Begegnung mit unserem ersten Hovawart.


Körungen

so hießen bis Mitte der 80er Jahre die ZTP's. Es gab eine Jugendkörung, eine Hauptkörung und eine Nachkörung. Man hatte die Möglichkeit, jede Körstufe mehrmals abzulegen.

Wie heute auch wurde das Erscheinungsbild getrennt vom Teil 2, Wesen und Leistung beurteilt. Es gab ein Punkteschema. Im Erscheinungsbild konnte man maximal 100 Punkte erreichen, im Teil Wesen und Leistung 200.

Die jeweils erreichten Summen wurden zusammengezählt und man erhielt je nach Punkteanzahl die Bewertungen vorzüglich (v), sehr gut (sg), gut (g).

Da die Bewertung des Erscheinungsbildes für sm Hunde immer sehr punktezehrend war (zu viele, zu wenig, helle, grau unterlegte, zu große, angedeutete Marken), mußte ein Hund schon sehr viele Punkte im Wesens- und Leistungsteil erreichen, damit er insgesamt ein 'v' in der Bewertung erhielt. Kaum ein Züchter nahmen einen Rüden mit einem 'sg' oder gar 'g' als Partner für seine Hündin an.

Und so wurden durch diese Punktverteilung die sm Hunde die Träger für gutes Wesen.

Auch für die Züchter war die Punktebewertung, die im UR veröffentlicht wurde, sehr informativ. Denn bei 198 Wesenspunkten konnte man mit einem Superwesen beim Rüden rechnen.

Leider sagt beim heutigen Schema das nüchterne ZE oder ZZ auf den ersten Blick sehr wenig über das tatsächliche Wesen aus, und ein Züchter muß schon sehr genau nachfragen und prüfen, wie gut das Wesen eines Partners eigentlich ist.


Bayerische Marken

Hunde mit den sog. bayerischen Marken (nur blonde Pfoten und Brustmarken, schwarze Gesichter) sind nicht nur für mich nach wie vor die schönsten, ansprechendsten Hovawarte, denn es sah einfach toll aus. Dieser Meinung schlossen sich vor allem die Allgemeinrichter an.

Heute, mit all den Spezialrichtern, liegen natürlich die 'bunten' Hunde, die an Clowns erinnern, in den Bewertungen vorne. Der Umschwung begann mit Verordnung 'von oben' Ende der 70er Jahre. Und dennoch: Wenn möglich, suche ich mir immer einen beeindruckenden schwarz-schwarzmarkenen Hovawart aus, und nehme gerne das 'sg' bei Schauen in Kauf.


Pleikershof

Annemarie und Roman Frisch waren die Züchter vom Zwinger Pleikershof, den mittlerweile die Tochter übernommen hat. Familie Frisch hatte schon bald nach dem Krieg Hovawarte gezüchtet, und zwar unter dem Zwingernamen 'vom Zenngrund'.

Ihren ersten Hovawart, einen blonden Rüden, bekam Frau Frisch von Herrn König geschenkt, weil sie seine besten Zuchttiere gerettet hatte. Das kam so:

Herr König züchtete unter anderem auch in der Nähe von Coburg unter dem Namen 'Domäne Schweighof'. Hier arbeitete Annemarie Frisch als junges Mädchen im Haushalt. Als der Umsturz kam, besetzten die Amerikaner dieses Anwesen und wollten die Hunde alle mitnehmen. Frau Frisch setzte sich erfolgreich dafür ein, daß die wichtigsten Zuchttiere am Anwesen blieben. Als Dank dafür schenkte ihnen Herr König den blonden Rüden - leider habe ich seinen Namen vergessen.

Wer das Zuchtgeschehen der ersten Würfe vom Pleikershof verfolgt hat, wird feststellen, daß - den ersten Wurf ausgenommen - mit der schwarzen Brixi vd Leiten (Stammmutter der Pleikershofer) immer blonde Rüden verpaart wurden. Herr Frisch hätte soooooo gerne wieder einen blonden Hund im Haus gehabt. Aber dies klappte erst in der nächsten Generation.


Welpenvermittlung

Wer kennt nicht die perfekte Organisation der Welpenvermittlung? Das war in den ersten Jahren nach dem Krieg ganz anders. Da mußte jeder Züchter selbst sehen, wie er seinen Nachwuchs an die neuen Besitzer brachte. Meist besuchten die Züchter eine Ausstellung und nahmen ihre Welpen mit - so wie ich es auf der Weltausstellung im Juni 1996 in Budapest noch erlebt habe. Da hatte man natürlich keine große Wahl, und mußte oft ein Hundekind mit schlechtem Gewissen verkaufen. So ist es auch verständlich, daß die Wurfstärke nach dem Krieg sehr klein war und später lange auf 6 Welpen beschränkt blieb.

Dies änderte sich, als sich Wanda Wiehe Mitte der 70er Jahre die zentrale Welpenvermittlung ausdachte. Sie wurde immer mehr perfektioniert und dem Zeitgeschehen angepaßt. Und nun mit dem web kann sich der Züchter nicht nur auf die Welpenvermittlung verlassen, sondern auch auf seiner persönlichen Homepage Interessenten werben.


 

Diese Seite wurde am 30.11.03 aktualisiert.

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